Am Samstag, den 05. September 2026 fand im Friedensstupa in Grafenwörth ein Vortrag von Professor Cameron David Warner statt.

Prof. Cameron David Warner ist außerordentlicher Professor an der Universität Aarhus (Dänemark) und Vorsitzender des Forschungsnetzwerks Leadership and Reincarnation of the Dalai Lama“ (LEAD). Dieses internationale Netzwerk beschäftigt sich mit den Nachfolgeplänen des Dalai Lama und deren religiösen, gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen.
In seiner wissenschaftlichen Arbeit untersucht Prof. Warner die Veränderungen des Buddhismus im Himalaya – insbesondere in Tibet, Nepal, Indien und Bhutan – sowie die gesellschaftliche Entwicklung Nepals. Zu seinen weiteren Forschungsschwerpunkten gehören materielle Kultur, Geschlechterfragen, Migration, Politik und Denkmalpflege.

Im Folgenden eine übersetzte Zusammenfassung des Vortrages mit den einleitenden Worten.
Der Text erhebt nicht den Anspruch auf wortgenaue Wiedergabe.
Die „Ich“-Form im nachfolgenden Text bezieht sich auf den Vortragenden Prof. Cameron Warner.
Der kursiv verfasste Text zum „Studium des Jowo“ ist eine nachträglich hinzugefügte Erklärung, da der Begriff „Jowo“ vielen nicht geläufig war.

Die Wiedergeburt des Dalai Lama
Lehren aus der Vergangenheit – Hoffnungen für die Zukunft

Ich werde damit beginnen, über Reinkarnation zu sprechen und warum es besser ist, sie als Wiedergeburt zu verstehen.
Im Alltag werden Reinkarnation und Wiedergeburt oft synonym verwendet. Philosophisch und religiös gibt es aber einen wichtigen Unterschied.

Reinkarnation meint häufig:
Eine bleibende Seele oder ein unsterbliches Selbst (Atman) verlässt den sterbenden Körper und nimmt einen neuen an.
Es ist im Kern dieselbe geistige Wesenheit (Entität) die weiterlebt – nur in einem anderen Körper.

Im Buddhismus spricht man bewusst von Wiedergeburt, nicht von Reinkarnation.
Es gibt kein dauerhaftes Selbst (Anatta / Anatman).
Was weitergeht, ist ein Strom von Bewusstsein, karmischen Prägungen und Ursachen – vergleichbar damit, wie eine Flamme eine neue Kerze entzündet:
Die neue Flamme ist weder identisch noch völlig getrennt von der alten.
Die nächste Existenz ist also nicht „dieselbe Person in einem neuen Körper“, sondern eine neue Kombination von Bedingungen, die durch vorheriges Handeln entstanden ist.
Buddhistische Wiedergeburt beschreibt Kontinuität ohne festes Ich.

Da jede Geburt und das Leben Leid mit sich bringt, ist Ziel das Ende des Kreislaufs von Geburt und Wiedergeburt durch das Erlöschen von Gier, Hass und Unwissenheit.

Ein Bodhisattva (Sanskrit: „Erleuchtungswesen“) ist jemand, der Bodhicitta entwickelt hat: Den entschlossenen Wunsch, volle Buddhaschaft zu erlangen, nicht nur für sich selbst, sondern um alle Wesen aus dem Leiden zu führen.
Alle gewöhnlichen Wesen werden unfreiwillig wiedergeboren, abhängig von ihrem Karma. Ein Bodhisattva hingegen kann die Form und den Ort seiner Wiedergeburt beeinflussen.
Das Bodhisattva-Gelübde gilt über viele Leben hinweg, aus Mitgefühl wird eigenes Nirvana aufgeschoben, bis alle Wesen befreit sind.
Wahre Erfüllung liegt darin, anderen zu helfen, nicht nur selbst zu entkommen.

Der Dalai Lama hat sich entschieden, wiedergeboren zu werden, um uns allen zu helfen – er kann seine Wiedergeburt beeinflussen um dieses Gelübde möglichst gut zu erfüllen.
Es wäre beispielsweise sinnlos, wenn er als Gefangener wiedergeboren würde, dann könnte er seinem Gelübde nicht nachkommen.
Daher ist auch eine Geburt in einem Land mit einem freiheitsbeschränkenden System wie China nicht denkbar. Der Dalai Lama wäre dort in seinen Handlungen so stark eingeschränkt, dass er sein Bodhisattva-Gelübde nicht erfüllen könnte. Zur Erfüllung seiner Aufgabe, alle Wesen aus dem Leiden zu führen, muss er in einem freien Land wiedergeboren werden, dass ihn diese Aufgabe erfüllen lässt.

Meine Geschichte über das Studium des Jowo:
Jowo (tibetisch ཇོ་བོ་) bedeutet wörtlich „Herr“, „edler Herr“ oder auch „älterer Bruder“. Im tibetischen Buddhismus ist es vor allem eine besonders ehrenvolle Bezeichnung für heilige Buddha-Statuen.
Tibeter behandeln den Jowo nicht einfach als Kunstwerk, sondern als lebendigen Stellvertreter des Buddha selbst.
Ihn zu sehen, anzubeten oder auch nur an ihn zu denken, gilt als besonders verdienstvoll.
Auch im Stupa manifestiert sich der Buddha.

Meine Begegnung (Audienz) mit S.H. dem Dalai Lama während des Graduiertenstudiums und eines Gespräches mit ihm über meine Forschung war für mich wie eine Begegnung mit dem Buddha selbst.
Seine Botschaft war: Bei einer buddhistischen Statue oder einem buddhistischen Lehrer kommt ihre Wirklichkeit auf die eigene Wahrnehmung an.
Lange Zeit hatte ich das Gefühl, S.H. dem Dalai Lama für diese Begegnung etwas zu schulden – im positiven Sinn. Ich wollte seine Güte erwidern.

Es gibt vier Szenarien für die Wiedergeburt des Dalai Lama:
Die Institution des Dalai Lama endet mit ihm, dem 14. Dalai Lama.
Der Dalai Lama reinkarniert noch vor seinem Tod.
Der Dalai Lama reinkarniert gleichzeitig mehrfach.
Der Dalai Lama reinkarniert einmal.

Er lud zur Diskussion ein und bat die Öffentlichkeit, ihm ihre Gedanken und Wünsche zu übermitteln.
Im Jahr 2019 bestätigte eine Reihe von Treffen in der Zentral-Tibetischen Administration (CTA) zwischen wichtigen Mitgliedern der tibetischen Exilgemeinschaft und Inhabern tantrischer Linien die Unterstützung für das, was immer S.H. der Dalai Lama plante. Ein Treffen von Gemeindevertretern aus dem Himalaya wurde wegen der Covid-Pandemie verschoben.

Während der Pandemie verbreitete sich das Gerücht, der Gesundheitszustand S.H. des Dalai Lama habe sich verschlechtert. Deshalb begannen einige von uns Forschenden privat zu diskutieren, dass es unsere Verantwortung sei, den Prozess der Nachfolge S.H. des Dalai Lama zu untersuchen. Schließlich erhielten wir eine Förderung vom Unabhängigen Forschungsfonds Dänemark (Independent Research Fund Denmark) und hielten vier Forschungskonferenzen ab.

Bei einer dieser Konferenzen – „Reinkarnation im tibetischen Buddhismus und die Institution der Dalai Lamas“ – sollte jemand einen Vortrag über die Geschichte der tibetischen Regenten halten. Er konnte jedoch nicht teilnehmen. Im letzten Moment bat man mich, den Vortrag zu übernehmen. Seither werde ich mit diesem Thema in Verbindung gebracht, obwohl mein eigenes Wissen bestenfalls begrenzt ist.

Während ich diese Vorträge gehalten habe, wurde mir zuerst klar, dass es ein Fehler war, sich allein auf das Amt des Regenten zu konzentrieren.
Die Auffindung eines Dalai Lama geschieht nicht durch eine einzelne Person.
Selbst wenn ein Regent ernannt wird, ist es nicht immer der Regent, der den Dalai Lama findet. Das werde ich gleich näher erläutern.
Später wurde mir klar, dass das Finden eines Dalai Lama nicht der gesamte Punkt ist.
Was ich eigentlich untersuche, ist das Ende des Lebens eines Dalai Lama und der Beginn des nächsten.
Wie beginnen ein Dalai Lama und seine Gemeinschaft den langen Prozess, vom gegenwärtigen Dalai Lama Abschied zu nehmen, ihn nach seinem Tod zu betrauern, für seine rasche Wiedergeburt zu beten, nach ihm zu suchen, ihn zu finden und ihn dann zum Dalai Lama auszubilden.
Ich bezeichne diese ganze Phase als das Heranziehen eines Dalai Lama.
Es gleicht dem Anbau von Äpfeln – wobei man einen potenziell fruchtbaren neuen Zweig auf einen älteren, bestehenden Baum pfropft.
In diesem Fall ist der neue Dalai Lama wie das neue Pfropfreis, und seine vorherige Linie ist wie der ältere Baum. Lassen Sie mich das erklären.

Keine starre „Tradition“

Der wichtigste Punkt, den Sie heute mitnehmen sollten, ist dieser: Der Prozess, einen neuen Dalai Lama heranzuziehen, ist nicht statisch.
Er hat sich ständig verändert und weiterentwickelt.
Manchmal liest man, es gebe eine „Tradition“ für die Suche und Auffindung eines Dalai Lama.
Ich halte das Wort „Tradition“ für gefährlich.
Es legt nahe, dass dies über Jahrhunderte hinweg auf dieselbe Weise geschehen sei.
Es legt außerdem nahe, dass es in Zukunft auf dieselbe Weise geschehen müsse.
„Tradition“ ist starr und unnachgiebig.
„Tradition“ macht es der Kommunistischen Partei Chinas auch leichter zu behaupten, ein Dalai Lama müsse „auf ihre Weise“ gefunden werden.
Und sie zwingt das Büro des Dalai Lama und die Zentral-Tibetische Administration in eine bestimmte historische Debatte, die den Interessen der Volksrepublik China dient.
Außerdem ist das unzutreffend.
Schauen wir uns an, wie einige Dalai Lamas in der Vergangenheit gefunden wurden.
Wir haben nicht die Zeit, nachzuvollziehen, wie alle vierzehn Dalai Lamas gefunden wurden.
Außerdem würde das unübersichtlich. Stattdessen können wir sie in Gruppen, in Perioden, einteilen.
Wir können betrachten, wie Dalai Lamas vor dem 17. Jahrhundert gefunden wurden, als eine Gruppe.
Den Fünften, Sechsten und Siebten Dalai Lama können wir in eine zweite Gruppe stellen.
Der Achte bis Zwölfte Dalai Lama bilden eine dritte Gruppe.
Der Dreizehnte Dalai Lama wurde auf ähnliche Weise gefunden, entwickelte sich jedoch zu einer völlig anderen Gestalt, weshalb wir ihn etwas anders behandeln sollten.
Schließlich ist auch der 14. Dalai Lama einzigartig. Lassen Sie mich das erläutern.

Die Ersten bis Vierten Dalai Lamas

Die Ersten bis Vierten Dalai Lamas herrschten nicht über Tibet.
Sie waren bedeutende religiöse Gestalten.
Aber sie hatten keine politische Macht.
Jedes Mal, wenn ein Dalai Lama starb, wurde er irgendwo in der Nähe wiedergefunden. Oft wurde er von der örtlichen Fürstenfamilie aus dem Kreis ihrer engsten Unterstützer ausgewählt, oder er wurde in eine Fürstenfamilie hineingeboren. Später, wenn Dalai Lamas gesucht wurden, konsultierte die Suchgruppe Staatsorakel und andere, die von Gottheiten besessen waren, oder sie achtete auf örtliche Wunder, oft Naturereignisse wie Regenbögen oder merkwürdiges Verhalten von Tieren. Das geschah auch bei den ersten vier Dalai Lamas, aber weit weniger. So besagt etwa die Legende, dass nach der Geburt des Ersten Dalai Lama das Lager seiner Familie von Banditen überfallen wurde. Die Eltern versteckten das Kind und flohen. Als sie zurückkehrten, lebte das Kind noch, bewacht von einem Krähenpaar.
Später wurden Krähen eng mit dem 7., 8., 12. und 14. Dalai Lama in Verbindung gebracht.
Aber beachten Sie: Dies geschah das erste Mal – und hörte dann für Jahrhunderte auf.
Tiere, Geister, Gottheiten und Naturereignisse können wir zusammen als „mehr-als-menschliche“ Akteure bezeichnen. So können wir sagen, dass mehr-als-menschliche Akteure in der frühesten Periode keine große Rolle spielten.

Der Fünfte bis Siebte Dalai Lama

Der Fünfte Dalai Lama wurde in einem besonderen Tal in Zentraltibet geboren, Chonggye genannt.
In diesem Tal gibt es gewaltige Tumuli, enorme Erdhügel, ähnlich, aber viel größer als die Wikinger-Tumuli, die man in Dänemark findet; sie dienten als Grabstätten der tibetischen Kaiser, die zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert lebten.
Später wurde dies als Zeichen dafür gedeutet, dass der Fünfte Dalai Lama eines Tages über Tibet herrschen und eine direkte Reinkarnation der tibetischen Kaiser sowie der Sakya-Lamas sein würde, die einst Tibet regiert hatten.
Damals gab es weitere Zeichen seiner politischen Zukunft.
Die Dalai Lamas gehören zur tantrischen Linie der Gelukpa. Als die Gelukpa in Zentraltibet an Einfluss gewannen, gerieten sie in Konflikt mit der Karma-Kagyu-Linie. Die politischen Unterstützer der Gelukpa gerieten in Konflikt mit den Unterstützern der Kagyu. Die Kagyu wurden von den Herrschern Zentraltibets unterstützt, den Tsangpa Desis. Wegen dieses Konflikts ließ der Tsangpa Desi den Vierten Panchen Lama zunächst nicht nach dem Fünften Dalai Lama suchen oder ihn inthronisieren. Hier sehen wir, dass die Linie des Panchen Lama eine wichtige Rolle beim Finden und Heranziehen eines neuen Dalai Lama spielte. Deshalb denken manche heute, der Panchen Lama müsse immer diese Rolle spielen. Aber das ist nicht der Fall. Andere Dalai Lamas wurden ohne Hilfe des Panchen Lama gefunden und inthronisiert.
Das bedeutet: Der Beitrag des Panchen Lama ist wichtig, aber nicht wesentlich und nicht der allein entscheidende Faktor. Mitunter kann der Beitrag des Panchen Lama auch falsch sein. Darauf komme ich gleich.
Schließlich wurde der Fünfte Dalai Lama religiöser und politischer Führer Tibets.
Er war zweifellos der größte Dalai Lama bis zum Großen 13. Dalai Lama.
Während seiner Herrschaft benannte er periodisch einen Regenten, der seine Regierung führen sollte. Diese Regenten waren typischerweise Laien, die sich den Kopf schoren und sich als buddhistische Mönche kleideten. Die Regenten waren miteinander verwandt, fast wie eine königliche Familie neben dem Lama.
Gegen Ende seines Lebens benannte der Fünfte Dalai Lama einen bestimmten Regenten, Sangye Gyatso, der alle dieselben Befugnisse und Pflichten wie der Fünfte Dalai Lama haben sollte. Seine wichtigste Aufgabe sollte sein, den 6. Dalai Lama zu finden und die Regierung zu führen, solange der 6. Dalai Lama zu jung war, um zu herrschen. Das hat das Bild erzeugt, der Regent Sangye Gyatso sei typisch für die Linie der Dalai Lamas.
Aber nein.
Das Heranziehen eines neuen Dalai Lama ist nie wieder auf diese Weise geschehen.
Sangye Gyatso verheimlichte den Tod des Fünften Dalai Lama fünfzehn Jahre lang vor allen Tibetern und vor dem Kaiser von China.
Als der Kaiser davon erfuhr, präsentierte Sangye Gyatso den Sechsten Dalai Lama als einen 14-jährigen Jugendlichen, den er in einer Art Festungsgefängnis verborgen hatte.
Selbst der Sechste Dalai Lama wusste nicht, dass er die Reinkarnation des Fünften Dalai Lama war.
Nach seiner Inthronisation rebellierte der Sechste Dalai Lama. Er trank Bier. Er ließ sich die Haare wachsen. Er hatte Liebesbeziehungen mit Frauen in Lhasa.
Schließlich nahm Lhazang Khan, ein mongolischer Herrscher in Lhasa, den Sechsten Dalai Lama gefangen und schleppte ihn in die Mongolei, doch der Sechste Dalai Lama starb unterwegs.
Daraufhin erklärte Lhazang, der Sechste Dalai Lama sei nicht die wahre Reinkarnation des Fünften Dalai Lama gewesen.
Lhazang Khan wählte eine andere Person namens Pekar Dzinpa zum Sechsten Dalai Lama. Sein Thronname war Yeshe Gyatso.
Der Fünfte Panchen Lama bestätigte Yeshe Gyatso als den wahren Sechsten Dalai Lama, und ebenso der Kangxi-Kaiser von China.
Yeshe Gyatso saß zehn Jahre auf dem Thron, bevor sich in Osttibet Gerüchte verbreiteten, der „erste“ Sechste Dalai Lama sei in einem Gebiet Osttibets namens Lithang wiedergeboren worden.
Das war merkwürdig, denn niemand hatte nach ihm gesucht.
Wenn der in die Mongolei gebrachte Mann nicht der Dalai Lama gewesen war, warum sollte er dann als Siebter Dalai Lama wiedergeboren werden?
Und wie wurde er gefunden, wenn niemand nach ihm suchte?
Die Gerüchte verbreiteten sich durch nicht-menschliche Akteure wie Geister, die Menschen besessen machten, und Tiere wie Krähen.
Deshalb schickte Lhazang Khan einen seiner Generäle, Norbu Ngodrup, nach Lithang, um den jungen Knaben zu töten.
Aber auch Norbu Ngodrup überzeugte sich, dass dieser Junge der Siebte Dalai Lama sei.
Schließlich musste Pekar Dzinpa/Yeshe Gyatso vom Thron entfernt werden, damit der Siebte Dalai Lama inthronisiert werden konnte.
Diese Episode beweist einiges.
Erstens können sowohl der Panchen Lama als auch der Herrscher Chinas irren, wenn sie jemanden zum Dalai Lama erklären.
Sie zeigt auch, dass das System scheitern kann – gewaltig scheitern –, Karma es aber schließlich korrigiert.
Sie zeigt außerdem, dass ein Dalai Lama sich verhalten kann wie der Sechste Dalai Lama, und dass das in Ordnung ist.
Wir können nicht erwarten, dass der 15. Dalai Lama genau wie der 14. sein wird.
Manche Dalai Lamas waren außerordentlich schüchtern. Andere waren große Gelehrte. Manche waren strenge Herrscher wie der Große 13. Dalai Lama, und einer trank gern Bier und verkehrte mit Frauen wie der Sechste Dalai Lama.

Die Goldene Urne und die Achten bis Zwölften

Nach dem Tod des Siebten Dalai Lama schwächte sich die Linie eine Zeit lang.
Der Qing-Kaiser Qianlong war ein frommer Buddhist.
Er fürchtete, die Reinkarnationen vieler wichtiger Lamas seien falsch, dass das System zu einem korrupten Weg geworden sei, Reichtum in wenigen Familien zu konzentrieren.
Deshalb versuchte er, eine Reform einzuführen.
Eine bestimmte Divinationsmethode namens Goldene Urne sollte verwendet werden.
Seine Reform ersetzte jedoch lediglich eine Divinationsmethode durch eine andere. Im Fall der Dalai Lamas wurde sie nicht immer angewandt.
Manchmal weigerten sich die Tibeter. Manchmal fanden sie den Dalai Lama zuerst und führten die Divination danach durch.
Wirklich entscheidend war sie nur bei der Auffindung von zwei Dalai Lamas und vielleicht eines dritten, bei dem die historischen Quellen voneinander abweichen.
Dies war eine schwierige Zeit für die Dalai Lamas und für Tibet.
Der 9., 10., 11. und 12. Dalai Lama starben sehr jung, wahrscheinlich vergiftet von lokalen Politikern, die entweder ihre eigene Macht schützen wollten oder Anweisungen aus Peking folgten.

Der Große Dreizehnte Dalai Lama

Der Große Dreizehnte Dalai Lama wurde ohne die Goldene Urne gewählt. Wie also wurde er gefunden?
Zuerst drehte der Leichnam des 12. Dalai Lama wiederholt den Kopf nach Süden, wo der Dreizehnte Dalai Lama in Dakpo geboren wurde.
Eine Suchgruppe wurde von der tibetischen Nationalversammlung ausgesandt.
Sie suchten Visionen am heiligen See Lhamo Lhatso.
Sie konsultierten die Staatsorakel, darunter das Nechung-Orakel, das die Vision vom See bestätigte.
Dorfbewohner in Dakpo bezeugten, dass es bei der Geburt des Jungen günstige Zeichen gegeben habe, etwa ein Erdbeben, das viele Häuser zerstörte, aber nicht das Haus der Eltern des Dalai Lama.
Dann wurde er nach Lhasa gebracht, inthronisiert und als buddhistischer Mönch ordiniert.
Später war er der erste Dalai Lama, der die Geshe-Lharampa-Prüfungen in fortgeschrittener buddhistischer Philosophie bestand.
Der Große 13. erklärte Tibet 1912 zu einem unabhängigen Land und wies alle Qing-Beauftragten aus Tibet aus.

Der Vierzehnte Dalai Lama

Als der 13. Dalai Lama starb, drehte auch sein Leichnam den Kopf, diesmal in Richtung Nordosttibet, wo der 14. Dalai Lama später im Dorf Takster gefunden wurde, ganz am Rand des tibetischen Hochlands, weit außerhalb des Herrschaftsgebiets der tibetischen Regierung.
Viele der gleichen Verfahren wurden angewandt, aber bemerkenswert ist, dass die Schlüsselfigur Kewtsang Rinpoche war, ein Lama, der dem 13. Dalai Lama gedient hatte.
Oft spielt bei der Suche nach der Reinkarnation eines hohen Lama – selbst nachdem alle verschiedenen religiösen Bräuche vollzogen wurden – der persönliche Diener des vorherigen Lama oder der Schatzmeister seines Haushalts, jemand, der ihn wirklich gut kannte, eine wichtige Rolle.
Wenn sie einem jungen Jungen begegnen, der die Reinkarnation des Dalai Lama sein könnte, können sie mit mehr Sicherheit als andere sagen: Ich weiß, das muss er sein.
Als das Suchkomitee die Kandidaten auf drei Jungen eingegrenzt hatte, wiesen viele Faktoren auf den Vierzehnten Dalai Lama hin, den wir heute kennen.
Aber Kewtsang Rinpoche spielte auch die Rolle dessen, der sagte: Ich weiß, das ist er.
Damals spielte der Panchen Lama keine Rolle. Die Divinationszeremonie der Goldenen Urne wurde nicht durchgeführt.
Das Suchkomitee gelangte zu einem vollständigen Konsens.
Das bestätigt erneut: Es gibt nicht einen einzigen Brauch, ein einziges Verfahren oder eine einzige Person, die allein einen Dalai Lama finden und heranziehen kann. Es braucht ein „Assemblage“ aus Menschen, Praktiken und mehr-als-menschlichen Akteuren.

Auswärtige Mächte

Wichtig ist auch festzuhalten, dass ausländische Mächte oft eine Rolle gespielt haben.
Ein Dalai Lama wurde in der Mongolei geboren.
Einer in Arunachal Pradesh in Indien.
In der Vergangenheit war Peking beteiligt.
In heutigen China wurde ein Gesetz erlassen, nachdem nur ein chinesisches Verfahren zur Auffindung des Dalai Lama Gültigkeit hat.
In der Zukunft sollten wir erwarten, dass Indien, Amerika und in geringerem Maße die EU beteiligt sein werden.
Obwohl das Büro des Dalai Lama sagt, es habe die alleinige Autorität, merken Sie sich: Die US-Regierung hat eine Reihe von Beschlüssen verabschiedet, um das Büro bei seiner Aufgabe zu „unterstützen“.
Das Europäische Parlament hat eine ähnliche Politik entwickelt.
Die Wiedergeburt des Dalai Lama wird sich nicht von chinesischen Gesetzen, EU oder US-Beschlüssen bestimmen lassen.
Und da wir erwarten, dass der nächste Dalai Lama in Indien aufwachsen wird, brauchen die Tibeter die Unterstützung der indischen Regierung.

Pläne für die Wiedergeburt – und unsere Rolle

Zum Schluss möchte ich zu den Plänen des Dalai Lama für seine Reinkarnation zurückkehren.
Er hat letzten Sommer angekündigt, dass er NICHT vor dem Tod wiedergeboren werden wird.
Er plant nicht, sich mehrfach zu reinkarnieren.
Er wird in der freien Welt wiedergeboren werden.
Er wurde gefragt, ob seine Wiedergeburt unbedingt als Mann stattfinden muss. Seine Antwort: „Nein, es ist durchaus möglich, dass ich als Frau wiedergeboren werde“.
Obwohl sein Büro die Suche leiten wird, werden wir alle eine Rolle spielen.
Wenn er stirbt, wird es an uns liegen, sein Vermächtnis zu bewahren und anderen von unseren Erinnerungen an ihn zu erzählen.
In einer Welt voller Menschen, die für ihren Zorn, ihre Unwissenheit oder ihre Gier berühmt sind, müssen wir der nächsten Generation von einem Menschen erzählen, der auf eine ganz andere Weise gelebt hat.
Einem, der so viele Menschen dazu inspiriert hat, weiser und mitfühlender zu sein und die Bedürfnisse anderer Menschen und anderer Wesen vor die eigenen zu stellen.
Für uns, die wir Buddhisten sind, werden wir für seine rasche Wiedergeburt beten.
Wir werden beten, dass er, wo immer er geboren wird, gefunden wird.
Wir werden darauf bestehen, dass unsere Regierungen dieses Kind unterstützen – und nicht das, was die Regierung Chinas am Ende tun wird.
Und schließlich werden wir diesem Kind Raum geben, unter seinen … oder ihren … Menschen aufzuwachsen.
Um darin unterrichtet zu werden, wie man ein Dalai Lama ist.
Und wir werden unser Bestes tun, diese Person nicht mit dem 14. Dalai Lama zu vergleichen, oder dem 13., oder dem 6., oder dem 5. und so weiter. Denn er oder sie wird auf eine neue Weise ein Dalai Lama für eine neue Welt sein.

Vielen Dank.

Besonderer Dank seitens des Stupa-Institutes ergeht an das STUDIO DREIVIERTEL, Andreas Mühlmann, der die hervorragende Tontechnik zur Verfügung gestellt und bedient hat,
sowie an den Dolmetscher Gerald Zrenner, der während des Vortrages übersetzte –
und natürlich Dank an das interessierte Publikum.
Vom tibetischen Medizin- und Astroinstitut war Dr. Lobsang Soepa anwesend und übergab einen Khata an Professor Warner.

Öffnungszeiten

Oktober bis April
Fr, Sa, So und Feiertage 10:00 - 16:00
Mo, Di, Mi, Do geschlossen

im Jänner und Februar auch am Freitag geschlossen

April bis Oktober
Dienstag bis Sonntag und Feiertag 10:00 - 18:00
Montag geschlossen.

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Wir behalten uns vor bei schlechtem Wetter früher zu schließen!

Adresse

Wallner-Vetter-Gasse, Mühlweg 108
3483 Grafenwörth